Mittwoch, 28. Juni 2017

Schneidereimarkt - Bummelletzte

Mal wieder bummelletzte, aber weil es so schön war, möchte ich mich einer kleinen Rückschau zum Schneidereimarkt am 20. und 21. Mai in der Ottakringer Brauerei in Wien nicht enthalten!


Andererseits: viel kann ich nicht mehr erzählen, was nicht schon von ganz vielen anderen erzählt worden wäre (zb. hier bei Susanne, hier bei Geraldine, hier bei Andrea oder hier bei Gabi), dennoch: es war toll, es war fabelhaft, es war inspirierend, kurz: ein Wochenende ganz für mich allein!



Mit meinen liebsten Bloggerkolleginnen das Hobby hochleben zu lassen und noch dazu in dem von Helga geschaffenen Rahmen, ist einfach ein Erlebnis für sich, vor allem, wenn man quasi so nebenbei Susanne zu einem absolut steilen Rock (die Geschichte dahinter hier) verhelfen kann... :-)


Susanne von "mamimade" - "mhm? Steht's zu Gesicht?!" Definitiv!

Susanne "mamimade" und Claudia "janaslieblingsdesigner"

Eine ganz besondere Freude für mich war ja, dass Andrea aus Klagenfurt und Birgit aus Innsbruck den Weg nach Wien gefunden haben! Endlich konnte ich die zwei Lieben wieder herzen, wobei es bei Andrea nun doch schon fast wieder ein ganzes Jahr her war. Letzten August hatte sie mich zum "Bloggerwahnsinn" in Klagenfurt bei sich daheim aufgenommen und so konnte ich ihre herzliche und liebenswerte Art ein ganzes Wochenende lang genießen.

Andrea "Liebedinge"
Birgit "Loewin.g"
Helga hatte wieder eine feine Auswahl an Austellern vor Ort versammelt, darunter Romana von "biostoffe", die ich aufgrund der Nähe zu meinem Wohnort auch "einfach so" immer wieder im Geschäftslokal heimsuche...



 ... der Stoffsalon mit seiner feinen Auswahl ....



... die Firma Lorenzi - feinste Stahlwaren & Schleiferei, die ich einige Tage zuvor schon mit meinen Kindern in ihrem Hauptquartier in der Siebensterngasse besucht hatte. Ein putzig kleiner Laden, in dem man in eine andere Zeit eintaucht und fasziniert vor ganz viel Handwerkskunst in historischen Vitrinenschränken steht. Die Kinder standen mit großen Augen und offenen Mündern drinnen (wohl in Anbetracht der vielen Hieb- und Stichwaffen unterschiedlichster Machart).


... und natürlich war auch Helga selbst mit ihrem Laden"Schnittmenge", in dem sie regional hergestellte und fair produzierte Stoffe vertreibt, vertreten.



Das sind nur einige der vielen tollen Aussteller vor Ort, aber vor lauter quatschen und bequatschen lassen - äh informieren und informiert werden, war die Kamera schnell vergessen. Ein weiteres Highlight war jedoch auch, dass die Lillestoff-Designerin Susanne Ida Schiegl mit ihrem Label "Raxn" zu Gast war und einen Vortrag gehalten hat. Ich habe mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen und mit Susanne und ihrem Mann Markus und den anderen Mädels eine recht nette Plauderrunde verbracht. Ein wirklich sympathisches Paar!



Danke Helga, dass du diesen genialen Rahmen für ein wunderbares Wochenende geschaffen hast, und euch allen anderen sag ich ein herzliches Dankeschön für die tolle Zeit mit euch!

mittig: Helga

 


Mittwoch, 31. Mai 2017

Mist! Gelegenheit verpennt!!!

Aber gut. Was solls?! Da müsst ihr jetzt durch! Auch wenn die Temperatur da draussen auch heute wieder an der 30-Grad-Marke schrammt, ich zeige euch heute mein Meisterwerk.

Ja, so nenne ich ihn, ganz unbescheiden. Ich bin ja sowas von stolz auf diesen Mantel für mein Töchterlein. Für England (zu Ostern) wollte sie UNBEDINGT einen Mantel haben, - na immerhin für den Flug und das Fotoshooting hatte sie ihn dann tatsächlich an. Wer konnte denn ahnen, dass uns das als wetterunbeständig verschrieene London fünf wunderbar frühlingshaft bis frühsommerliche Tage bescheren würde?!

Aber der Herbst kommt bestimmt und ich hoffe, er gefällt dem Töchterlein auch dann immer noch. Wenn nicht, muss ich mich wohl mit Mühe davon abhalten, eine Klippe hinunterzustürzen. Gut, dass diese in Wien eher rar gesäht sind. :-)

Ich lasse mal die Bilder sprechen. Ich bin einfach verliebt, sorry.






Der Mantel ist eine Frieda von Mondbresal, in Gr. 34. Gut, die Ärmel sind ein wenig lang, weil die Tochter noch nicht ganz Erwachsenengröße erreicht hat, auch wenn sie rein figürlich bereits voll und ganz bei den Erwachsenenmaßen angekommen ist. Aber sie ist da wie ich: wir lieben überlange Ärmel! Die einzige Änderung ist der Kragen, den habe ich auf Wunsch ein wenig verkleinert. Die Knöpfe habe ich zufällig bei Biostoffe erspäht und da sie aus Recycling-Material hergestellt wurden, sind sie an sich schon mal was Besonderes und: sie greifen sich wirklich toll an!

Der Schnitt ist einfach grandios und ich liebe den Mantel an ihr! Vor allem, weil sie ihn eher lässig zu Jeans, Shirt und "festere Bock" (Schuhe) tragen möchte. So ist sie. Mein Mädchen!


Schnitt: Mantel "Frieda" von Mondbresal, Gr. 34, lange Version, Kragen gekürzt
Stoffe: Komolka
Knöpfe: Recycling-Knöpfe via Biostoffe




Mittwoch, 17. Mai 2017

Na endlich! - Lunchbags

Im Sinne der Nachhaltigkeit wollte ich sie ja eigentlich schon lange genäht haben... Hat nun aber doch etwas gedauert, - ein paar Jahre um genau zu sein.... Dabei diskutieren wir zu Hause schon lange darüber, wie wir die Schuljause am besten verpacken...

Dazu muss erwähnt werden: meine Kinder bekamen, solange sie in der Volksschule waren, ein spätes Frühstück und das Mittagessen direkt von und in der Schule. Dennoch mussten sie IMMER - ein Überbleibsel aus Kindergartentagen - auch eine Gemüse- bzw. Obstjause eingepackt bekommen, in unserem Fall sind das übern Winter meist Äpfel, Karotten und selten Bananen, erstere geschnitten in einer der allseits bekannten Tupperbox (oder eher ein ähnliches no-name-Produkt), letztere in einer stylischen Bananenbox mit Krümmung (haben wir auch schon seit Kindergartentagen daheim). Im Frühling gibt es dann manchmal auch Paprika und / oder Gurken dazu, für die Tochter darf es auch Avocado oder Kiwi sein.


Doch mit Umstieg des ältesten Kindes ins Gymnasium war, obwohl Ganztagsklasse und somit vorhandenem Mittagessen, der Vormittag nur mit einer etwas umfangreicheren Jause zu bewältigen. Also gut, mal Joghurt, mal Brot - doch das Brot wurde immer separat in kleinen Jausensackerln verpackt - mit lauten Grmpf. Das ökologische Bewusstsein war definitiv nicht glücklich, auch wenn ich die Kinder mit mal mehr, meist weniger großen Erfolg dazu angehalten habe, doch bitte die Sackerl wieder zu retounieren... Aber was macht man mit einem Sackerl, in dem die Mandarinenschalen einige Tage lang vergessen wurden... (Frage: Warum kann man Schalen, egal ob nun von der Mandarine, der Zitrone - ja, die Tochter isst sie einfach so - oder der Kiwi nicht gleich direkt in der Schule im Biomüll entsorgen?) *kopfschüttel* - BÄH und weg damit, sag ich nur. So intelligent meine Kinder auch sein mögen, aber in machen (ganz speziellen) Dingen scheint ihre Lernfähigkeit etwas begrenzt, - böse gesprochen. Kennt ihr, oder?



Vor ein paar Wochen dann, war Schluss. Nämlich zu dem Zeitpunkt, als mein Blick unseren vollen Mistkübel streifte und mir dabei auffiel, dass es sich vornehmlich um Plastikverpackungen handelt, ein guter Teil davon eben jene "vergessenen" und unansehnlichen Jausensackerln. Eigentlich wüsste ich es ja schon lange besser und ich weiß nicht, warum ich so lange damit gewartet habe.... Auf jeden Fall ging es dann ratzfatz: Meine beschichteten Stoffe (tw. Stoffreste) rausgesucht und nach einem Youtube-Tutorial (ich finde es leider nicht mehr) gemixt mit der Anleitung von Pattydoo genäht.



Seither sind die Lunchbags brav im Einsatz und Brote, Kuchen und sogar Joghurts gehen in der Schultasche nicht mehr verloren und falls doch was bröselt oder tropft, die Bags sind außen wie innen aus abwischbaren Material! Ideal auch für den Schwimmbadbesuch inkl. nasser Badekleidung, habe ich mir sagen lassen.

Und mein ökologisches schlechtes Gewissen ist um ein paar kleine Prozentpunkte beruhigter. Immerhin.



Schnitt: Eine Kombi aus einem Youtube-Video und der Pattydoo-Anleitung
Stoffe: beschichtete Stoffe aus dem Fundus




Donnerstag, 11. Mai 2017

Ganz schön chillig...

... ist mein drittes Zipfelwesterl, das eigentlich das älteste in meinem bunten Jäckchen-Blumenstrauß. 
Ok, ganz so bunt ist er jetzt dann doch nicht, aber ich wollte Westen zum kombinieren. Ist mir jetzt dann doch nicht so ganz gelungen, muss ich sagen, also wird wohl noch das eine oder andere folgen, aber dann muss wirklich das unten-drunter definitiv mit dem oben-drüber abstimmen und zwar so, dass mindestens 2-3 Untendrunter auf ein Obendrüber kommen....

Nun zur Chill-Jacke von Leni.pepunkt... Sie leidet leider auch an der mir zugeeigneten Krankheit "zu wenig Stoff gekauft" - ich lerne aber auch wirklich sehr schwer, wie es scheint... Deshalb ist sie auch etwas kürzer als eigentlich gedacht und das ist wohl das fehlende i-Tüpfelchen, das sie perfekt machen würde. 


Und ob ihr es glaubt oder nicht: das Ding lässt sich trotz recht zurückhaltendem Muster (einfacher geht ja eigentich kaum mehr) wirklich super schwer kombinieren! Da muss ich auf mein weißes (Kauf-)Top zurückgreifen, das mir aber in den letzten Wochen eindeutig zu wenig warm war (aber geh, warum denn nur?!).


Tja, jetzt habe ich drei Zipfelwesten, zwei mit mehr, eine mit etwas weniger Zipfel, aber nicht minder lässig. Und trotzdem ist der Stil ein ganz anderer. Ich werde aber dennoch noch ein bisserl weiter experimentieren. Schließlich ist der Gedanke einer Capusle Wardrobe ja doch recht verlockend. Ob ich das jemals schaffen werde?! Jetzt weiß ich immerhin, welche Art von Jacken mir stehen und denen ich mich auch wohlfühle. Man mag ja nicht immer im gleichen Schnitt herumlaufen, muss ich ja auch nicht, denn jetzt habe ich ja zwei Schnitte, die doch einem ähnlichen Stil entsprechen.





Schnitt: Chill.Jacke von Leni.Pepunkt, Gr. 38
Stoff: Jacquard via Biostoffe



Mittwoch, 10. Mai 2017

Willow, die Zweite

Weiter geht's mit meinen Westerln.... Meine zweite Zipfelweste ist ebenfalls wieder aus Jacquard und einfach wunderbar weich, warm und flauschig. (Hier seht ihr die erste.)
Als wir über Ostern in London waren, hat sie mir hervorragende Dienste geleistet. Hier posiere ich vor einem typisch viktorianischen Reihenhaus, in dem unser Appartement untergebracht war. Ach, ich sag's euch. Herrlich war's.




Der Wettergott war uns hold, Miss Spring hat sich von ihrer besten Seite gezeigt. Und ähnlich wie in Wien weht in London auch ständig der Wind. Da hab ich mich gleich heimisch gefühlt! An diese Tatsache konnte ich mich gar nicht mehr erinnern, aber ich war ja auch das letzte Mal vor 23 Jahren in England, da passiert es schon mal, dass das Gedächtnis ein paar Lücken aufweist. :-)
Und mich stört er nicht, der Wind. Ich mag ihn. Ich hatte ja schließlich auch mein Westerl zum Einkuscheln, aber mehr hat es tagsüber eigentlich nicht mehr gebraucht, - und manchmal nicht einmal mehr das.



Anders als bei meiner Pfeil-Willow habe ich hier alle Kanten unversäubert gelassen, der Stoff lädt ja geradezu dazu ein. Mittlerweile, nach ein paar Wäschen, rollen sich die offenen Stellen auch ein bisserl auf (bei den "Schlitzen" sind die zwei Lagen des Doubleface miteinander verwoben) und das schaut sogar noch ein bisserl lässiger aus.



Uiuiui. Da will ich lässig dreinschauen und dann wird das immer ein bisserl grimmig. Seufz. Ich glaube, daran muss ich noch ein wenig arbeiten...

Wie ihr seht, hatte ich auch dieses Mal zu wenig Stoff, deshalb ist die eine Vorderseite im rechten Winkel zum Fadenlauf und die Ärmel, da ich dieses Mal keine 3/4 Ärmel haben wollte, ebenfalls "bewusst" gestückelt. Aber so was geht eben bei einer Weste wie "Willow". Die ist an sich schon etwas lässiger, da wirken solche Spielereien absolut gewollt und damit stimmig, - sag ich jetzt mal.



Schnitt: Cardigan Willow, Gr. 40 von Shhhout!
Stoff: Doubleface-Jersey Check List rauchblau von Albstoffe (Design HHL)
via Biostoffe



Freitag, 5. Mai 2017

Jacke ist nicht gleich Jacke - vulgo Weste

Ich spreche nicht von einer richtig dicken fetten Winterjacke, wobei die Aussage natürlich auch da zutrifft. Im meine jetzt eigentlich die Überzieh-Jäckchen aus Sweat oder Strick, die hier bei uns eigentlich nur Westen heißen. Weste = nicht allzu dicke Oberbekleidung zum Öffnen, die sich hervorragend zur Zwiebellooktechnik eignet. :-)

Also. Ich bin ein Westentyp. Im österreichischen Sinn des Wortes. Mir ist oft und anhaltend kalt, mir kann aber auch sehr schnell ("gach") einmal heiß werden und mit so einem Westerl lässt sich das wunderbar regulieren: Weste zu, Weste halb geöffnet, Weste offen getragen, Weste ausgezogen. Perfekt.
Aber eben: Weste ist nicht gleich Weste, wie ich feststellen musste. Die kastenförmige, sehr dünne Strickjacke (ha, ja, ist schwierig, in Österreich werden die Begriffe oft sehr vermischt und situationsbezogen verwendet. Sorry, aber daran erkennt man einen richtigen Österreicher, hihi), PASST mir nicht, - im Sinne von: sie steht mir nicht gut zu Gesicht. Gut, dass es Zipfelwesten (hihi, schon wieder eine Änderung in der Begrifflichkeit!) gibt, aber da sind ja auch nicht alle gleich. Also hab ich einfach mal ein bisserl durchprobiert.


In den nächsten Tagen bekommt ihr drei Exemplare zu sehen, wobei es sich eigentlich nur um zwei verschiedene Schnitte handelt. Eine ist schon im Winter entstanden, die anderen beiden während des Probenähens zu "Willow" bei Shhhout! Hier seht ihr meine erste "Willow" und ich trage sie unheimlich gerne. Und ja: das Zipfelige bin tatsächlich schon viel eher ich, als das brave kastenartige, schlichte. Dabei bin ich doch eigentlich eine ganz Brave. Tssss.



ein bisserl auf  "tussi und überheblich" kann ich allerdings auch  - aber nur selten. Versprochen! ;-)

Geöffnet sieht sie sowieso toll aus, und auch geschlossen macht sie was her. Die Zipfel werden mittels Knopf, Bindeband oder Druckknöpfen auf der Schulter geschlossen, oder einfach nur übergeworfen.
Ihr seht auch, man kann sie sportlich leger zur Jeans tragen und auch "ein bisserl hübscher". Ich glaube fast, ich hab hier ein Basicteil für meine Garderobe gefunden. Anders als im Schnitt vorgesehen, habe ich aus stoffteschnischen Gründen nur 3/4 Ärmel genäht - weil ich auch immer so ein Sparefroh (haha!) bin beim Stoffeinkauf. Es war schlicht und einfach zu wenig und dank des Musters musste ich nicht auf den Fadenlauf achten - so kam ich doch glatt mit ein bisserl was über 1m Stoff aus! :-) Glück auf der ganzen Linie.




Schnitt: "Willow" von Shhhout!, Gr. 40
Stoff: Jacquard von Albstoffe, designed von Hamburger Liebe, 
gekauft bei Biostoffe



Donnerstag, 27. April 2017

#haulternative - Fashion Revolution Week 2017

Bangladesch. Sabhar. 24. März 2013, kurz nach 9 Uhr morgens. Der Tag hat noch nicht mal richtig angefangen und dennoch sind bereits 1127 Menschen tot und 2438 verletzt. Es dauert 16 Tage bis die letzte Überlebende aus einer Nische des in sich zusammengestürzten Rana Plaza gezogen wird. 

In dieser Woche wird all jener gedacht, die - denkt man es bis zum Ende - in letzter Konsequenz Opfer des Konsums der westlichen Welt geworden sind. Aus Proftgier wurden diese Menschen in ein Gebäude geschickt, das bereits am Vortag nach dem Auftreten der ersten Risse im Mauerwerk polizeilich gesperrt worden war. 
Letztendlich hat eine Untersuchungskommission eine Kombination mehrer Faktoren für das Unglück verantwortlich gemacht, darunter: grobe Fahrlässigkeit, minderwertige Baumaterialien, ungeeigneter Untergrund für ein Gebäude dieser Dimensionen. 
Zwar wurden der Besitzer des Gebäudes - ein Politiker - und die Besitzer der darin befindlichen Textilfabriken verhaftet, doch das macht die Menschen nicht wieder lebendig oder unverletzt, die eigentliche Tragödie geht sogar noch weiter: nicht alle Leichen konnten schnell identifiziert werden und Entschädigungszahlungen bekamen die Angehörigen nur mit einem Totenschein, den sie wiederum erst dann erhalten haben, wenn eine Identifikation vorlag (Quelle).

Das Unglück dieser Menschen hat aber immerhin die Welt aufgerüttelt und auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der TextilarbeiterInnen aufmerksam gemacht. Und nun liegt es an uns, den Endverbrauchern, unseren Teil zur Verbesserung beizutragen. 
"Wir Konsumenten revoltieren und zeigen Wege auf, was man tun kann um dem Modehamsterrad zu entkommen, stellen Fragen à la #whomademyclothes und machen andere, die noch nicht darüber nachgedacht haben auf dieses Thema aufmerksam."

Es ist eben nicht egal, wie unsere Kleidung produziert wird, - das betrifft die Erzeugung der Rohstoffe genauso, wie die Lebens- und Arbeitsbedingungen der NäherInnen oder auch die weltweite Verteilung der Endprodukte.

Daher hat Susanne von Mamimade auch heuer wieder eine Aktion ins Leben gerufen:

#haulternative

Das bedeutet: "Dieses Jahr unterstützen wir, weil wir ja nähen und DIY-technisch einfach voll informiert sind, einander mit Tipps and How-to's. Diese Info soll auch Nicht-Nähern da draußen helfen ihre eigene Revolution zu starten; in ihrer Garderobe mit ihrer eigenen Kreativität!"

Ich persönlich nähe schon seit Jahren einen Großteil meiner Garderobe und die der Kinder selbst. Angefangen hat es mit der Faszination etwas völlig Neues, Eigenständiges und vor allem Einzigartiges zu schaffen. Wenn man dann so einige Stunden am Boden gemeinsam mit den unterschiedlichesten Schnittmustern, und Stunden hinter der Nähmaschine verbracht hat, wird einem klar, was für ein Aufwand hinter jedem einzelnen Kleidungsstück steckt und dass in den Geschäften der Preis unmöglich den Wert desselben repräsentiert.

Mit Kindern kann man selbstverständlich unmöglich den Trends entgehen, die diverse Modeketten vorgeben, aber man kann sehr wohl die Kinder sensibilisieren und mit ihnen darüber reden, was wirklich nötig ist, ob es eine ökologische und faire Alternative zu ihrem Wunschkleidungsstück gibt (indem ich z.B. Biostoff kaufe und ein ähnliches Schnittmuster finde). Damit erhalten die Kinder ein ähnliches, aber doch auch einzigartiges Kleidungsstück, bei dessen Produktion keinerlei Ausbeutung zugrunde liegt. Die Erfahrung lehrt, dass sie da auch mitunter unheimlich stolz sind, Teil der Produktionskette geworden zu sein - hierauf werde ich mich demnächst nochmal beziehen.

Auch nehmen wir immer wieder gerne Secondhand-Kleidung aus der Familie und Freunden an, und suchen uns heraus, was gefällt oder anderweitig wieder verwertet werden kann: ein tolles Motiv auf einem Shirt zum Beispiel ist schon öfter mal in meine Schatz- und Restekiste gewandert, selbst wenn man momentan nicht weiß, was man damit anfangen kann, der Einsatz als Jeans- oder Shirt-Flicken (je nach Größe) ist nie ganz auszuschließen.


Apropos Jeans: diese nähe ich noch nicht für alle Familienmitglieder selbst. Erste Versuche habe ich für mich selbst unternommen - das ist noch verbesserungwürdig, muss ich gestehen - aber mein Jüngster trägt nur noch Kdidit. Mit etwas anderem brauch' ich gar nicht kommen...  Da er so ein Schmalhans ist, kann ich aus zu klein gewordenen oder unbeliebt gewordenen Jeans größerer Familienmitglieder die eine oder andere Hose für ihn schneidern. Und weil Kinder nunmal Kinder sein dürfen, zeigt sich ihr kindlicher Ungestüm nur allzu oft innerhalb weniger Wochen in Form von durchgescheuerten Knien, die dann mal mehr oder weniger kunstvoll geflickt werden. Gut, dass uns das Modediktat zur Zeit so richtig "fetzige" Jeans vorgibt, würde ich sagen! Aber so schnell, wie hier Löcher produziert werden, finde ich kaum Zeit für kunstvolle Verschönerungen. Und ist sie unflickbar, wird ganz schnell eine kurze Sommerhose draus.

ein Bild, aus dem Leben gegriffen - schnell, unsauber, aber effizient geflickt - und der Bub ist dennoch stolz auf seine Jeans made by Kdidit
Auch wenn ich viel für mich nähe, so geht dennoch immer wieder etwas schief: es passt nicht, die Farbe steht mir nicht oder ich mag das Teil an mir nicht so sehr, wie ich gedacht hätte. Diese Teile wandern ebenfalls in eine Kiste und dienen als secondhand-Stofflager und finden Verwendung als Kombistoffe oder ev. wird sogar ein komplett anderes Kleidungsstück daraus.

die Originalposts dazu findet ihr hier und hier

Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, nicht einfach nur blind zu konsumieren. Geht mit offenen Augen durch die Läden, erkundigt euch nach den Produktionsbedingungen, nutzt das Kleidungsstück, schöpft alle Möglichkeiten aus. Das heißt nicht, dass man nicht ab und zu schwach werden darf... Aber man sollte abwägen und mit der Zeit merkt man, dass sich die Prioritäten verschieben.

Und das Tolle daran, #haulternative zu sein?

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Montag, 24. April 2017

Ooosterhaaasi

Der Vorteil, wenn man Teil einer großen Familie ist, ist der, dass man eigentlich (fast) immer irgendwelche Kleinkinder benähen kann und im besten Fall sogar darf. Manchmal allerdings fragt man gar nicht nach, sondern nimmt ein Fest zum Anlass, bei dem man die Schuld auf andere schieben kann. In diesem Fall ist einfach der Osterhase schuld.


Diese süssen Rapport-Stoffe haben mich kurz vor unserer Abreise nach London noch angesprungen und so schnell bestellt wie dieses Mal, geht das bei mir kaum, muss ich sagen.
 


Aber sowohl Louise als auch Fiete Schlappohr haben sich einfach in mein Herz geschlichen und quasi im gleichen Moment, als ich ihrer ansichtig wurde, wusste ich schon, dass ich damit meine Großnichte und meinen Neffen damit benähen wollte. Äh. Der Osterhase sie damit beschenken wollte, eigentlich.


Vom Urlaub zurück gekehrt, das Paket in Empfang genommen, Stoffe gewaschen, am nächsten Tag genäht und am übernächsten Tag zur Verteilung weitergereicht. So schnell kann es gehen. Und die Eltern der Beschenkten haben sich sehr gefreut. Sagt der Osterhase.


Body - Regenbogenbody von Schnabelina Gr. 74, verlängert auf Gr. 80
Stoff: Rapport Louise und Fiete Schlappohr von AfS